Konstruktivistische Perspektive in Coachings
Die Basis meiner Arbeit ist geprägt von einer konstruktivistischen Sicht. Dieser Ansatz der Erkenntnistheorie beeinflusst alle Bereiche des Lernens und der Kommunikation. Er hat seinen Ursprung in der Philosophie und Psychologie (Vgl. Piaget). Fragt man nach dem Ursprung dieser Theorie, geht es noch weiter zurück in das Jahr 1970. Als eine Art Manifest des Konstruktivismus kann das Werk von Humberto R. Maturana „Biologie of Cognition“ genannt werden. Aber ich will gar nicht in die Theorie abdriften, denn eigentlich geht es um einen ganz pragmatischen Prozess des Lernens.
Danach wird Wissen in Lernprozessen – in Coaching oder in Workshops – aktiv aufgebaut. Es ist immer abhängig von der Erfahrung und der Wahrnehmung des einzelnen. Wissen entsteht durch die Auseinandersetzung mit einem Thema und ist kein passiver Prozess. Was heißt das jetzt genau?
Das wird in meiner Arbeit mit Coachees für mich jedes Mal besonders deutlich. Denn jedes Coaching verläuft anders und ist sehr individuell. Es gibt Bausteine – z.B. Fragen, die in jedem Einzelcoaching die Ausgangsbasis darstellen. Die eigentliche Lernreise startet dann mit der Kundin oder dem Kunden zusammen.
Deshalb spreche ich von Lernreisen, auf denen ich meine Kund*innen begleite und durch Fragen, Impulse oder Gedanken neue Sichtweisen eröffnen kann. Ein Aha-Moment ist für mich, wenn meine Coachees plötzlich neue Möglichkeiten und Perspektiven sehen.
Wenn eigene Erfahrungen die Grundlage für Lernprozesse darstellen, ist es naheliegend hier anzusetzen. Werden Veränderungen im beruflichen Umfeld beispielsweise als latente Bedrohung interpretiert, ist ein positiver Umgang mit Change-Projekten eigentlich unmöglich. In Einzelcoachings einmal gemeinsam zu überlegen, wo die Vorteile des Wandels liegen könnten, ist dabei ein Türöffner.
Ein Beispiel fällt mir dazu ein: Ein Kunde, in dessen Abteilung von 2-er Büros auf ein Großraumbüro umgestellt werden sollte, empfand das als unmögliche Zumutung. Bei einer zweiten Betrachtung konnte er auch Vorteile sehen: als echter Team-Mensch könnte er in der geänderten Situation möglicherweise punkten, weil die Kommunikationswege und der fachliche Austausch im Team viel einfacher werden würden. Er bekäme die Chance, Kolleg*innen zu unterstützen und seine sozialen Kompetenzen viel besser sichtbar zu machen. Und genauso kam es. Er konnte seine sozialen Kompetenzen ausbauen und ist jetzt sogar Teamleiter.
Eine konstruktivistische Denkweise setzt auf folgende Eckpunkte:
-
Wissen entsteht aus eigenen Erfahrungen
-
Verbindung von altem und neuem Wissen
-
Denkstrukturen verändern sich
-
idealerweise ändert sich auch die Haltung dahinter
-
dynamische Anpassung an neu gewonnene Erkenntnisse und Denkanstöße.
Die wichtigste Voraussetzung, um eine positive Wirkung zu entfalten ist, dass eine Offenheit für Neues da ist. Dabei hilft ein Grundverständnis der konstruktivistischen Sicht.