Social Learning: Miteinander und voneinander lernen

 

Soziales Lernen hat in seiner ursprünglichen Bedeutung innerhalb der Sozialpädagogik den Fokus auf das Erlernen sozialer Kompetenzen gerichtet. Hier soll der Begriff den Blick eher auf die Organisation des Lernens richten und eine Abgrenzung zu dem Lernen im „stillen Kämmerlein“ verdeutlichen. Lernen im Unternehmen findet nicht mehr alleine vor dem Rechner, durch das Lesen von Fachbüchern oder mit anderen in Seminaren und anderen formellen Lernformaten statt, sondern der soziale Austausch mit anderen im Unternehmen rückt in den Mittelpunkt. Berufliches Lernen goes social.

Lernen kann auch leicht gehen. Soziales Lernen kann als eine Form der Lernorganisation – Sie wissen schon die 20% des viel zitierten 70-20-10-Prinzips – im betrieblichen Kontext sowohl auf dem formellen Weg als auch dem informellen Weg stattfinden. Frei definiert kann soziales Lernen in etwa so verstanden werden: Lernen durch den sozialen Austausch mit anderen, wobei die Lernenden sich auf dem analogen oder digitalen Weg begegnen und sich gegenseitig an ihrem Wissen teilhaben lassen.

Bei dieser Sichtweise steht vorrangig eine lernorganisatorische Perspektive im Vordergrund und keine spezielle didaktische Herangehensweise. In jedem Fall steigt das Wissen der gesamten Gruppe und damit des gesamten Unternehmens durch diesen Austausch. 

 

Das Wissen ist das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.
Marie Ebner von Eschenbach (1830-1916) Schriftstellerin

Wissen wird mehr, wenn man es teilt. Das wusste schon Marie Ebner von Eschenbach zu ihrer Lebenszeit. Und nicht erst seitdem digitale Lernformate immer mehr und vielfältiger die Unternehmen erobern, ist das Teilen von Wissen ein wichtiger Aspekt in jedem betrieblichen Weiterbildungskonzept. Aber mit digitalen Formaten und Plattformen kommt eine andere Dynamik ins Spiel. Mit den neuen Technologien wird vieles einfacher und schneller möglich.

Das soziale Lernen in der Arbeitswelt ist ja nicht neu und findet findet an sich permanent statt. Kollegen*innen, die sich das Büro teilen, lernen voneinander. Das soziale Lernen kann dabei als praktische Unterweisung eher formell und gesteuert stattfinden, wenn der erfahrene Kollege dem neuen Azubi einzelne Aufgaben erklärt. Es kann aber auch informell und quasi nebenbei erfolgen, wenn die neue Kollegin im Vertrieb beispielsweise dem langjährigen Kollegen bei Telefonaten zuhört und beispielsweise erfolgversprechende Verhaltensmuster übernimmt. Aber wer die Wichtigkeit des sozialen Lernens im Unternehmen erkannt hat und es als Teil eines betrieblichen Weiterbildungskonzeptes aktiv unterstützen möchte, sollte Mitarbeitern*innen bewußt Möglichkeiten für ein Lernen durch den Austausch mit anderen schaffen. Dafür heißt es, „Bühnen“ bauen! Neue Technologien und Formate bieten einen ganzen Fundus an Plattformen.

 

Online-Plattformen bieten Bühnen

Viele Mitarbeiter*innen tummeln sich im Privatbereich bereits auf verschiedenen Social Media Plattformen. Facebook & Co. sind dabei genauso vertreten wie Twitter. Im beruflichen Umfeld nennen die meisten Xing oder LinkedIn als Austauschplattform. Immer mehr Unternehmen erkennen soziale Netzwerke daher auch auch als Möglichkeit zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter*innen und nutzen die Potentiale, die sich hier bieten.

Dennoch ist bei den meisten bei der Nutzung der sozialen Netzwerke für berufliche Zwecke noch verhalten. Zu groß ist die Angst, vielleicht nicht „perfekte“ Inhalte zu veröffentlichen. Begleitet wird es meistens von der Frage, wieviel Persönliches möchte ich preisgeben. Wie technisch perfekt und fachlich fundiert müssen meine Beiträge sein. Das auch als großes Lernfeld zu betrachten, ist eine große Chance für Unternehmen und Mitarbeiter.

In den meisten Unternehmen hat sich zumindest die Nutzung eines internen Netzwerkes zum Austausch etabliert. In welcher Form dort Inhalte angeboten werden variiert sehr stark. Es können sehr aufgabenbezogene Fachinformationen sein, aber zunehmend geht es auch um redaktionelle Inhalte oder kleine Lernsequenzen, die den Mitarbeitern*innen auf diesem Weg zugänglich gemacht werden. 

 

Ein wichtiges Stichwort ist in dem Zusammenhang User Generated Content. Wörtlich übersetzt handelt es sich um Inhalte, die vom Nutzer selber produziert werden und anderen Mitarbeitern*innen auf dem digitalen Weg bereitgestellt werden.

Content können schriftliche Beiträge in einem Unternehmensblog oder einer firmeninternen Lernplattform, kleine Videos oder Podcasts sein. Lernverantwortliche und Führungskräfte in den Unternehmen nehmen eine eindeutige Vorbildfunktion ein. Wenn der Geschäftsführer einen witzigen Beitrag für das Intranet schreibt oder der Personalentwickler ein kleines Lerntutorial als Video herstellt und den Mitarbeitern*innen zur Verfügung stellt, werden Hürden abgebaut. 

 

Weitere gesteuerte Lernoffensiven ermöglichen den sozialen Austausch

Es sind aber auch andere Lernformate dankbare Plattformen für einen Austausch unter Kollegen*innen. Das informelle Gespräch zu wichtigen Thema kann beispielsweise über unternehmensinterne Veranstaltungen angestoßen werden. Es wird ein offizieller Rahmen geschaffen, um Gespräche jenseits der absolut erforderlichen Arbeitsthemen im Unternehmen zu ermöglichen. „Kaffeeküchen-Gespräche“ ausdrücklich erwünscht!

Daneben sind auch spannende „formelle“ Lernformate entstanden, die den ungezwungenen Austausch mit Kollegen*innen mit innovativen Lernmöglichkeiten verbinden:

  • Ein Lunch & Learn verbindet die Mittagspause mit hilfreichen Lerninhalten.
  • In einem Working Out Loud treffen sich etwa 5 bis 12 Menschen über 12 Wochen einmal pro Woche und arbeiten an ihren individuellen Lernzielen.
  • Bei einem Bar-Camp wird der Lernende vom Teilnehmer zu einem Teilgebenden und bestimmt selbst mit, worüber diskutiert wird.

Einige Vorteile liegen auf der Hand:

  • Der Grad der Selbstorganisation des Lernens ist automatisch sehr hoch. Jeder bestimmt selbst, wie tief ins Thema eingestiegen wird.
  • Die Teilnahme ist sehr einfach und viel unverbindlicher als in einem Seminar.
  • Der Spaßfaktor steigt durch die lockere Lernatmosphäre.
  • Die Anzahl der Mitarbeiter, die einen solchen Lernprozess „abbrechen“, ist sehr gering.
  • Verschiedene Perspektiven fließen ein.
  • Jeder erhält unmittelbar Feedback. 

Lernmotivation und Lernkultur sichern die Zukunftsfähigkeit

Damit sind wir schon bei einem der wichtigsten Argument für soziales Lernen überhaupt: der (lern-)kulturelle Aspekt!  Die Vernetzung der Lernenden hilft im Unternehmen ein Wir-Gefühl entstehen zu lassen. Die Erreichung gemeinsam gesetzter (Lern-)Ziele verbindet, gemeinsame Lernerfolge machen zufrieden und setzen eine Menge positiver Energie frei. Daher ist soziales Lernen oder social Learning m.M..n. der wichtigste Baustein eines jeden Lernkonzeptes. Es entfaltet positive Effekte auf:

 

  • Unternehmenskultur: ein Lernambiente schafft Wir-Gefühl
  • Motivation: gemeinsame Lernziele und geteiltes Wissen motivieren
  • Mitarbeiterbindung: Mitarbeiter*innen fühlen sich gut aufgehoben.

Mitarbeiter*innen werden zum Botschafter der Lernkultur

Eine positive Lernkultur entfaltet im Unternehmen eine Wirkung nach innen und außen. Sie stärkt auf der einen Seite natürlich die Mitarbeiterbindung und schafft Motivation. Auf der anderen Seite darf auch die Wirkung auf Kunden und Mitbewerber nicht unterschätzt werden. Unternehmen mit einer funktionierenden Lernkultur beweisen, dass sie in vielen Punkten die Nase vorn haben: Damit untermauert eine gelebte Lernkultur die Initiativen des Employer Brandings. Arbeitgeber sind stärker „sichtbar“ und beweisen ein großes Interesse an der Ausbildung und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter und setzen ein wichtiges Signal in Richtung Zukunft.